Anzeige
Anzeige

„Wir generieren 60% unseres E-Book-Umsatzes über den Buchhandel“

buchreport hat acht Online-Experten zu den Perspektiven elektronischer Bücher auf dem deutschen Buchmarkt interviewt. Olaf Ernst, President eProduct Management & Innovation bei Springer:

Amazon hat mit dem „Kindle“ einen neuen Versuch gestartet, dem E- Book zum Durchbruch zu verhelfen. Wie schätzen Sie die Chancen ein?
Kindle kommt sicher gerade zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt: der Markt für Individualkunden ist definitiv reif für eBooks und dies gilt nun auch für die Belletristik. Gerade der "Entspannungsleser" hat sich bislang nicht wirklich für eine elektronische Ausgabe seines Buchtitels entscheiden können. Wir bei Springer sprechen in erster Linie eine andere Zielgruppe an und können uns eBooks hierbei gar nicht mehr wegdenken: Unsere Kunden sind Forscher, Wissenschaftler und Studenten, die ihre Literatur in Universitäten, Bibliotheken oder Forschungseinrichtungen suchen und auf elektronischen Zugang nicht mehr verzichten wollen. Das wissen wir aus Umfragen und aus dem Nutzungsverhalten bei den Springer eBooks. Dennoch wird auch bei dieser Zielgruppe die Einführung von mobilen Lesegeräten wie dem Kindle einen positiven Einfluss auf die Akzeptanz von eBooks haben.

Wie stellen Sie sich auf den Trend zum elektronischen Buch ein?

Wir müssen uns nicht mehr darauf einstellen. Wir sind bereits ganz vorne mit dabei. Springer gilt weltweit als die Nummer eins unter den STM-Verlagen, was das eBook-Angebot angeht. Seit 2005 werden alle Bücher eines Copyright-Jahres bei Springer auch zu eBooks. Somit liegen auf unserer Plattform www.SpringerLink umfassende Buchreihen und Handbücher bzw. Referenzwerke elektronisch abrufbereit. Wir bieten mittlerweile über 27.000 eBooks an und zwar in der gleichen „digitalen Umgebung“ wie unsere Zeitschriften. Damit sind die Springer eBooks integraler Bestandteil der Fach- und Forschungsliteratur im so genannten STM-Markt.

Wo sehen Sie die größten Hürden dieses Marktes?
Für den Indivdualmarkt denke ich, ist sicher die Preisgestaltung der Lesegeräte sowie deren einfache Handhabung beim Bedienen oder die Batteriedauer Grundvoraussetzung für einen Markterfolg. Die Springer eBooks erfordern keine Lesegeräte, sondern lediglich einen Internetzugang über einen ganz normalen PC. Für unseren Erfolg ist der Bekanntheitsgrad unseres eBook-Angebots elementar. Wir arbeiten derzeit stark daran, bei den Forschern, Wissenschaftlern und Studenten eine größere Sichtbarkeit unserer elektronischen Bücher herzustellen. Dazu benötigen wir vor allem auch die Unterstützung der Bibliotheken, die ihre Nutzer noch stärker darauf aufmerksam machen könnten, dass ein eBook-Angebot in der jeweiligen Bibliothek vorhanden ist.

Die Ergebnisse einer eBook-Umfrage unter Studenten hat beispielsweise zutage gefördert, dass von über drei Tausend befragten Studenten nahezu zwei Drittel angaben, dass sie nicht wussten, wo sie eBooks finden können. In der gleichen Umfrage sagte jedoch über die Hälfte der Studenten, dass sie lieber (oft bzw. sehr oft) ein eBook einem gedruckten Buch vorziehen würden, wenn sie in einer Bibliothek arbeiteten.

Gemeinsam mit den Bibliothekaren arbeiten wir daran, die Vorteile bei der Nutzung und das Vorhandensein von elektronischen Büchern noch besser herauszustellen. Und auch die Bibliothekare selbst begrüßen, dass wir bei Springer sehr stark ihre Tätigkeit als Informationsvermittler im Blick haben. Beispielsweise mit den MARC records, mit denen die Metadaten unserer eBooks nahtlos in die Bibliothekskataloge Eingang finden. Auch ist die Einbindung in die Suchmaschinen ein grosses Thema, das für den Bekanntheitsgrad unseres digitalen Buchangebots essentiell ist.

Wie hoch wird Ihrer Meinung nach der Anteil digitaler Bücher am Umsatz Ihres Verlags in 5 Jahren sein? Wo liegt der Anteil heute?
Aufgrund unserer bislang gemachten Erfahrung in den vergangenen zwei Jahren, sehen wir in den nächsten Jahren die größten Wachstumspotenziale im eBook-Segment bei gleich bleibender Umsatzgenerierung bei den gedruckten Büchern. Eine rasche Migration von "Print zu Electronic" - wie in den letzten Jahren bei Zeitschriften zu beobachten - erwarten wir im Buchbereich nicht. Ein gedrucktes Buch wird auch weiterhin seinen Wert haben und attraktiv für unsere Zielgruppen bleiben.

Es gibt in den USA wie hierzulande Diskussionen zum Pricing von E- Books. Wie sollten die Preise gesetzt werden?
Auf jeden Fall sollte das eBook mindestens den gleichen Preis wie das gedruckte Buch haben. Es bietet über den rein materiellen Wert hinaus einen erheblichen Mehrwert, wie Such- und Durchsuchbarkeit oder die ständige Verfügbarkeit von Inhalten, egal, wo ich mich gerade befinde - Internetzugang bzw. Lesegerät vorausgesetzt. Unsere eBooks fokussieren sich im institutionellen Bibliotheksmarkt jedoch nicht auf den Erwerb einzelner Titel. Die Springer eBooks sind in dreizehn Buchpakete je nach dem Fachgebiet, sei es Architektur, Medizin, Technik oder andere, eingeteilt. Unser Pricing richtet sich dann nach der Größe (Nutzerzahlen) und Art der Institution (universitär oder forschungsgetrieben), die unsere Buchpakete kauft. Dieses sogenannte "Tiered based Pricing" kommt bei unseren Kunden weltweit sehr gut an.

Hat der stationäre Buchhandel eine Chance, an dem Geschäft zu partizipieren?
Oh ja, und dabei können wir uns ganz entspannt zurücklehnen. Im Endkundengeschäft prognostizieren Fachleute dem Buchhandel ähnliche Probleme in der elektronischen Welt wie in der Musikindustrie. Dies ist aber im Buchmarkt bislang nicht zu beobachten. Der Buchhändler hat durch seinen jahrelang gepflegten Kontakt zum Endkunden (die Bibliothek) einen strategischen Wettbewerbsvorteil. Bei Springer hat er die Möglichkeit, wie andere Vertriebspartner auch, unsere Buchpakete an institutionelle Nutzer zu vermitteln und erhält dafür eine Kommission. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass dieses Angebot unter den Buchhändlern sehr gut angenommen wurde. Im deutschsprachigen Bereich haben wir 60 Prozent unseres eBook-Umsatzes über den Buchhandel generiert. Ich denke, diese Zahl spricht für sich.



ImpressumSitemapAGB © 2010

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews