„DRM-Maßnahmen können zu Frust führen“
buchreport hat acht Online-Experten zu den Perspektiven elektronischer Bücher auf dem deutschen Buchmarkt interviewt. Franziska Schiebe, Online-Beauftragte beim Frankfurter Campus-Verlag:
Amazon hat mit dem "Kindle" einen neuen Versuch gestartet, dem E- Book zum Durchbruch zu verhelfen. Wie schätzen Sie die Chancen ein?Einerseits ist der Kindle sehr benutzerfreundlich, E-Books können kabellos per Mobilfunknetz heruntergeladen werden und der Kaufvorgang ist so einfach, wie man ihn von Amazon kennt. Für Deutschland wird interessant sein, wie groß das Titelangebot von Anfang an ist, denn die Kunden wollen natürlich alle gängigen Titel finden. Andererseits wird das Gerät durch den Preis von umgerechnet 230 Euro nicht ohne weiteres zum Massenprodukt werden. Mit mobilen Geräten wie dem Kindle werden über das Fachbuch hinaus auch Genres wie Belletristik und Sachbuch zunehmend als E-Book akzeptiert werden. Bei Fachbüchern wird es für Kunden wichtig sein, ob sie in der elektronischen Version genauso ihre Anmerkungen und Markierungen vornehmen können wie im gedruckten Buch. Dies ermöglicht nicht jedes Gerät und jedes Format.
Wie stellen Sie sich auf den Trend zum elektronischen Buch ein?
Wir sind vorbereitet: Campus hat schon seit einigen Jahren E-Books im Angebot, pro Jahr kommen etwa 160 hinzu.
Wo sehen Sie die größten Hürden dieses Marktes?
Eine nicht zu unterschätzende Hürde sind die Lese- und Rezeptionsgewohnheiten unserer Kunden. Menschen, die seit Jahrzehnten an das gedruckte Buch gewöhnt sind, tun sich oft schwer, am Display zu lesen und zu navigieren. Daher wird das gedruckte Buch auch in den nächsten Jahrzehnten nicht aussterben. Eine weitere Hürde ist heute das Thema DRM. DRM-Maßnahmen können den Downloadprozess verkomplizieren und beim Kunden zu Frust und mitunter zum Abbruch des Kaufvorgangs führen. Hier müssen wir Verlage noch Hausaufgaben machen, um den Spagat zwischen Wahrung der Autoren- und Kundeninteressen bewältigen.
Wie hoch wird Ihrer Meinung nach der Anteil digitaler Bücher am Umsatz Ihres Verlags in 5 Jahren sein?
Da wir mit unseren Produkten in erster Linie auf den Handel setzen, macht der Umsatz mit digitalen Produkten bei Campus nur einen Bruchteil unseres Umsatzes aus. Wir planen aber mit einem Anteil von 10% im Jahr 2016.
Es gibt in den USA wie hierzulande Diskussionen zum Pricing von E- Books. auf welcher Basis sollten die Preise gesetzt werden?
Wir fahren hier seit Jahren die Strategie, E-Books höchstens 15% unter dem Ladenpreis des gedruckten Buches anzusetzen. Topautoren haben ihren Wert, egal in welcher Form der Inhalt vorliegt.
Hat der stationäre Buchhandel eine Chance, an dem Geschäft zu partizipieren? Wie?
Wichtig wird sein, dass der Handel seinen Kunden eine breite, verlagsübergreifende Produktpalette anbieten kann. Wir nutzen heute schon Portale, die den Handel einbinden und sind für jede weitere Lösung offen.



