„Wir sehen eine enorm positive Entwicklung des E-Book-Marktes“
buchreport hat acht Online-Experten zu den Perspektiven elektronischer Bücher auf dem deutschen Buchmarkt interviewt. Frank Sambeth, in der Chefetage bei Random House Deutschland für Neue Medien zuständig:
Das Amazon hat mit dem „Kindle“ einen neuen Versuch gestartet, dem E- Book zum Durchbruch zu verhelfen. Wie schätzen Sie die Chancen ein?
Wir sehen in den USA seit dem Launch des Kindle eine enorm positive Entwicklung des eBook-Marktes, wobei auch andere Endgeräte und Formate wie z. B. der Sony Reader profitieren. Für Deutschland erwarten wir eine ähnliche Entwicklung. Das eBook hat natürlich im Fach- und Wissenschaftsbereich und Schulbuch offensichtliches Potenzial. Wir rechnen aber auch für die Belletristik und das Sachbuch damit, dass sich mittelfristig alle "Print-Genres" als eBook-tauglich erweisen (auch dies zeigen die Erfahrungen aus den USA).
Wie stellen Sie sich auf den Trend zum elektronischen Buch ein?
Seit dem Jahr 2000 veröffentlicht Random House kontinuierlich eBooks (hier mehr) und versucht, für möglichst viele Titel auch die eBook-Rechte einzuholen. Die internen Prozesse werden im Hinblick auf die neuen "Endprodukte" angepasst.
Wo sehen Sie die größten Hürden dieses Marktes?
Voraussetzung für einen positive Marktentwicklung sind leistungsfähige Endgeräte, eine breite Verfügbarkeit von Inhalten und eine gute "user experience". Auch hier zeigen die Erfahrungen aus den USA, dass der Markt in Schwung kommt, selbst wenn noch nicht alle Kriterien perfekt erfüllt sind.
Wie hoch wird Ihrer Meinung nach der Anteil digitaler Bücher am Umsatz Ihres Verlags in 5 Jahren sein? Wo liegt der Anteil heute?
Der Umsatzanteil heute liegt bei < 1%, sowohl für den Markt als auch für Random House. Ein Ausblick ist natürlich schwierig; wir könnten uns vorstellen, dass der Anteil in 5 Jahren zwischen 5 und 15% liegt.
Es gibt in den USA wie hierzulande Diskussionen zum Pricing von E- Books. auf welcher Basis sollten die Preise gesetzt werden?
Wir halten die Orientierung an den Preisen des gedruckten Buches weiterhin für sinnvoll, da - bis auf Druck und Logistik - die gleichen Kosten für eBooks entstehen wie für die Print-Ausgabe.
Hat der stationäre Buchhandel eine Chance, an dem Geschäft zu partizipieren? Wie?
Auch zukünftig werden Leser ihre Bücher nicht bei den Verlagen, sondern bei Buchhändlern suchen. Daher liegt es in der Hand jedes einzelnen Buchhändlers, ob bzw. wie er sich online und für eBooks engagiert.
Läuten Kindle Co. den Tod des gedruckten Buches ein?
Auf gar keinen Fall. Wir sind sicher, dass das gedruckte Buch seine Stellung auch in Zukunft behaupten wird.


