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Perspektiven des E-Book-Marktes 2008

Der Erfolg von Kindle“, dem E-Book-Programm, das Amazon-Chef Jeff Bezos (Foto) im November 2007 vorgestellt hat, schürt auch hierzulande große Hoffnungen. buchreport hat acht Experten für elektronische Bücher nach Chancen und Hürden des Marktes befragt. Bis 2013, meint die Mehrheit, könnte der Umsatzanteil von E-Books am Buchmarkt zweistellig ausfallen.

Zu den Perspektiven elektronischer Bücher auf dem deutschen Buchmarkt hat buchreport acht Experten interviewt:

Hintergrund der Umfrage: Die lange berechtigte Skepsis gegenüber elektronischen Buchformaten scheint  jetzt selbst für den populären Markt zu weichen. Dafür sorgen Zahlen und Erkenntnisse zum E-Book-Geschäft vor allem aus den USA:

  • Nach Recherchen des gewöhnlich gut informiertenTech-Blogs techcrunch.com hat Amazon bis dato 240000 „Kindle“-Lesegeräte verkauft.
  • Der Analyst Scott Devitt (Stifel, Nicolaus & Co.) glaubt, dass Amazon bis Mitte 2009 bis zu 750 000 weitere Lesegeräte verkaufen wird.
  • Der US-E-Book-Verband International Digital Publishing Forum meldet für das erste Quartal 2008 ein Umsatz-Plus der Verlage von 23% – der „Kindle“ hat Spuren hinterlassen.
  • In Europa testen Telefon-Unternehmen wie die Deutsche Telekom das E-Paper-Format.

E-Book-Experten sind optimistisch

Die Signale finden ein Echo in der Umfrage, für die buchreport acht Experten nach Chancen und Hürden des E-Book-Marktes befragt hat:

  • „Der Markt für Individualkunden ist definitiv reif für E-Books“, erklärt beispielsweise Olaf Ernst, President eProduct Management & Innovation beim Fachverlagsriesen Springer, der 27 000 E-Book-Titel im Angebot hat.
  • Hans Kreutzfeldt, Verlags-Dienstleister für Datenaufbereitung und -konvertierung, glaubt, dass Amazon dem E-Book zum Durchbruch auf dem Massen-Markt verhilft; in den USA seien bereits große Verlage dazu übergegangen, jede Neuerscheinung parallel zur Buchausgabe als E-Book-Datei zu produzieren. „Also gibt es jetzt nach den Nachschlagewerken auch genug Potenzial in der Belletristik ebenso wie bei den Sachbüchern!“
  • Frank Sambeth, in der Random House-Chefetage für Neue Medien zuständig, betont: „Wir sehen in den USA seit dem Launch des Kindle eine enorm positive Entwicklung des E-Book-Marktes. (...) Für Deutschland erwarten wir eine ähnliche Entwicklung.“ Die Bertelsmann-Buchtochter bietet bereits seit 2000 E-Books an und ist dabei, die internen Prozesse im Hinblick auf die neuen Endgeräte – neben dem „Kindle“ der „Sony Reader“ – anzupassen.

Umsatz-Perspektive: bis 25% Marktanteil

Vor dem Hintergrund der elektronischen Erfolgswelle rechnen die Experten damit, dass der Umsatzanteil von E-Books am gesamten Buchmarkt – der noch im Promille-Bereich liegt – in den kommenden fünf Jahren rasch steigen wird: Die Spanne reicht vom mittleren oder hohen einstelligen Prozentbereich (so Buchwissenschaftler Stephan Füssel, Gutenberg Universität Mainz, und Werner-Christian Guggemos, Chef des E-Book-Shops Ciando) bis hin zu 25%, die libri.de-Chef Per Dalheimer elektronischen Sachbüchern bis 2013 zutraut.

Hürden des E-Book-Marktes

Auf dem Weg dorthin muss die Branche jedoch noch etliche Hürden überwinden, sind sich die Befragten sicher. Die wichtigsten Stolpersteine:

  • Inhalte: Viele Publikums-Verlage hätten sich bei ihrer Buchproduktion noch nicht auf das E-Book eingestellt, so Ciando-Chef Guggemos – besonders bei unterhaltender Literatur gebe es noch zu große Lücken.
  • Hardware: Buchwissenschaftler Füssel hält den „Kindle“-Preis (359 Dollar) für zu hoch; außerdem fehle ihm der „Chic“ des iPod. „Der Kontrast beim Lesen ist noch viel zu gering und ermüdet schon nach kurzer Zeit; gerade auf die Bildinformation, auf die die Mediengesellschaft zunehmend in allen Bereichen setzt, muss hier noch fast vollständig verzichtet werden.“ Füssels Fazit: Bessere Chancen als der „Kindle“ hätten Geräte mit unterschiedlichen Funktionen, etwa Organizer mit vergrößertem Display, die neben Internet- und E-Mail-Funktionen problemlos jede Form von PDF-Formaten laden könnten.
  • Kopierschutz: Es bleibt umstritten, ob elektronische Bücher per Digital Rights Management (DRM) kopiergeschützt werden sollen, wie derzeit von Amazon praktiziert. „DRM-Maßnahmen können den Downloadprozess verkomplizieren und beim Kunden zu Frust und mitunter zum Abbruch des Kaufvorgangs führen“, kritisiert Franziska Schiebe, Online-Beauftragte beim Campus Verlag.
  • Pricing: Die Branche hat noch keinen goldenen Weg gefunden, wie teuer elektronische im Vergleich zu gedruckten Büchern sein dürfen. Indem Amazon Titel der „New York Times“-Bestsellerliste für 9,99 Dollar anbietet, knüpft der Online-Händler an das Erfolgsmodell von iTunes an, zieht voraussichtlich jedoch den Groll einiger Verleger auf sich. In Deutschland ist die Bandbreite der Meinungen dazu groß: Während Droemer Knaur-Geschäftsführer Ralf Müller einen E-Rabatt von 20% gegenüber der Print-Ausgabe ansteuert und somit im Schnitt der Befragten liegt, empfiehlt Springer-Manager Ernst, dass E-Books mindestens den gleichen Preis wie das gedruckte Buch haben sollten, denn: „Es bietet über den rein materiellen Wert hinaus einen erheblichen Mehrwert, wie Such- und Durchsuchbarkeit oder die ständige Verfügbarkeit von Inhalten, egal, wo ich mich gerade befinde“.

Perspektiven des stationären Handels

Ähnlich kontrovers wie über das Pricing diskutiert die Branche darüber, ob der stationäre Buchhandel am Geschäft partizipieren kann. libri.de-Chef Dalheimer rät, dass die Buchhändler eigene Internet-Shops mir E-Books aufbauen sollen. Droemer-Manager Müller meint, dass sich Terminals zum Download von E-Books im Handel auszahlen könnten – trotz der schlechten Erfahrungen im Hörbuchbereich. Olaf Ernst (Springer) sieht gute Chancen der Sortimenter als Vermittler von E-Book-Paketen an institutionelle Nutzer: ein Kommissionsgeschäft, über das Springer hierzulande 60% des E-Book-Umsatzes generiere.



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