Spanien: Wirtschaftskrise schlägt durch
Die spanische Volkswirtschaft leidet noch stärker als die meisten anderen EU-Länder unter der Wirtschaftskrise. Seit der zweiten Jahreshälfte 2008 erlebt sie einen dramatischen Einbruch, der auch auf die Buchbranche durchschlägt.
Nach zehn Jahren der Stagnation im Buchmarkt, die in konstanten Preisen gerechnet sogar in Wirklichkeit ein Rückgang von 1,2% war, ist die Stimmung nach den vorläufigen Zahlen der Verleger- und Sortimenterverbände in Madrid und Barcelona fürs 1. Halbjahr 2009 jetzt vollends im Keller. Der wirtschaftliche Einbruch ist mit Händen zu greifen:
- Die Verlage klagen über Umsatzrückgänge von durchschnittlich 6 bis 10%.
- Noch gravierender sind die Rückgänge im Sortimentsbuchhandel. Die Unternehmen melden Umsatzeinbußen bis zu 25%.
- Die Remissionen steigen. Sie sind schon immer ein besonders großes Problem der spanischen Branche gewesen (die Remissionsquote lag bereits bisher nach inoffiziellen Zahlen zwischen 30 und 35%) und wächst wegen der Verkaufsflaute und die Kreditengpässe bei den Buchhandlungen weiter.
- Wenn die Banken bei ihrer restriktiven Kreditvergabe bleiben, werden die Bestände in den Buchhandlungen noch stärker gelichtet.
- Es verstärkt sich der Trend, dass sich der Umsatz auf immer weniger Titel/Megabestseller konzentriert; jüngstes Beispiel ist die auch in anderen Ländern erfolgreiche Stieg Larsson-Trilogie, von dessen drittem Band Ediciones Destino 400000 Exemplare als Erstauflage produziert hat.
- Im Gegensatz dazu haben die meisten Neuerscheinungen in den Buchhandlungen nur eine Verweildauer von wenigen Wochen, wenn überhaupt. Das bedeutet für die Mehrheit der Verleger immer größere Schwierigkeiten, den Endkunden zu erreichen. Die durchschnittliche Verkaufszahl pro Titel ist von 1000 bis 1200 Exemplaren im ersten Halbjahr 2009 laut Sortimentsumfragen auf 700 bis 800 Stück zurückgegangen.
Für Ausgleich und eine gewisse Stabilität sorgt bei den Verlagen die Möglichkeit der Ausfuhr nach Lateinamerika. Mexiko, Argentinien und Kolumbien bleiben die drei wichtigsten Märkte. Die größte Wachstumsperspektive liegt in den USA mit seinen ca. 40 Mio Hispanics. Einige Verlage haben bereits Niederlassungen in den USA gegründet.
Buchhandel: Spanische Ketten expandieren kräftig
Die Buchhandelsketten sind auf Expansionskurs. Eine Besonderheit der spanischen Filialisten ist die Anbindung an Verlagsgruppen bzw. Medienkonzerne. Die wichtigsten Player sind Casa del Libro (Grupo Planeta), Bertrand-Buchhandlungen (Bertelsmann) und die französische Medienhauskette Fnac. Auch Kaufhausketten wie El Corte Inglés (mit über 100 Warenhäuser der größte Kunde für die Buchbranche), Supermarktketten (Carrefour, Alcampo, Eroski, Hipercor) und Kulturgenosschenschaften wie Abacus (hauptsächlich in Katalonien) oder Elkar (Baskenland) drängen immer stärker auf den Buchmarkt.
Trotzdem: Unabhängige Buchhandlungen und kleinere Buchhandelsketten sind immer noch der wichtigste Verkaufskanal für Bücher mit 47% des Gesamtumsatzes.
Die Buchklubs verlieren weiter am Boden mit einem Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr von 12,4%. Die Klubs bestreiten nur noch gut 3% des Gesamtumsatzes.
Die Internetkäufer sind in Spanien immer noch scheu und die Umsätze wenig bedeutend. Gerade mal 0,6% des Gesamtumsatzes wurden 2008 durch das Internet getätigt. Deswegen, aber auch wegen der unzureichenden Logistik der Branche gibt es in Spanien kein Amazon.
Buchmarkt in Zahlen: Spanien
Umsatz 2008 3,2 Mrd €
Neuerscheinungen/Jahr 2008 72981
Durchschnittlicher Buchpreis
– Hardcover 13,26 €
– Taschenbuch 6,79 €
Preisbindung ja
Mehrwertsteuer auf Bücher 4%
Lizenzvergabe n. Spanien 2008 406 Titel
Anteil am dt. Lizenzgeschäft 5,3%
Deutscher Buchexport
nach Spanien 2008 43,9 Mio €
Zahl der Verlage 2008 1500
Zahl der Buchhandlungen ca. 3500
Vertrieb/Vertriebswege 2005
– Buchhandel und Ketten 47,5%
– Supermärkte 9,1%
– Buchklubs 3,2%
– Buchklubs 3,2%
– Internet 0,6%
Buchmesse
Feria Internacional del Libro,
wechselnd in Madrid und Barcelona
Termin: Anfang Oktober
Fachmesse ohne Verkauf
Quelle: buchreport/Gerardo Nahm



