Skandinavien: Strategisches Wechselspiel
Finnland: Sanomas Umstrukturierung schlägt in Skandinavien Wellen
Weil Sanoma Learning & Literature künftigt ausschließlich auf die Bildung setzt, steht bei der finnischen Verlagsgruppe alles zum Verkauf, was nicht zum Kerngeschäft zählt. Den Anfang machte im Mai der Traditionsverlag Werner Söderström, der für eine ungenannte Summe an den schwedischen Marktführer Bonnier verkauft worden ist.
Der Verkauf des größten finnischen Publikumsverlags war Teil eines Tauschgeschäfts: Während die Schweden, die in Finnland mit Tammi bereits seit 1996 ein starkes Blatt spielen, im Publikumsbereich zum Marktführer aufsteigen, hat Sanoma im Gegenzug von Bonnier die beiden Schulbuchverlage Bonnier Utbildning (Schweden) sowie Tammi Learning (Finnland) erworben und etabliert sich damit als einer der führenden Bildungsverlage im Norden Europas.
Auch im Buchhandel steht Sanoma auf dem Sprung. Für 27,5 Mio Euro soll Finnlands größter Sortimentsbuchhändler Suomalainen Kirjakauppa (Umsatz 2010: 109 Mio Euro) an Otava verkauft werden. Der Deal muss zwar noch von den Kartellbehörden abgesegnet werden, doch gilt deren Zustimmung als wahrscheinlich. Otava ist mit Otava Publishing in Finnland zwar als Verlag stark aufgestellt, doch der Buchhandel ist Neuland. Zum Neuerwerb gehören 64 Filialen: 59 Vollsortimente, drei Reader-Taschenbuch-Shops und zwei Universitätsbuchhandlungen.
Buchmarkt in Zahlen: Finnland
- Umsatz 2010: 523 Mio €*/–0,5%
- Neuerscheinungen/Jahr: 12017
- Preisbindung: nein
- Mehrwertsteuer auf Bücher: 9%
- Allgem. Mehrwertsteuersatz: 23%
- Lizenzvergabe nach Finnland: 156 Titel
- Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 1,9%
- Deutscher Buchexport nach Finnland: 6,54 Mio €
- Zahl der Buchhandlungen: 407
- Wichtige Vertriebswege
– Buchhandel: 32%
– Supermärkte/Warenhäuser: 17%
– Direktverkauf/Buchklubs: 16%
– Internet: 6% - Buchmesse:
Buchmesse Helsinki
Termin: 28.–31.10.2012
Publikumsmesse
* ohne MwSt.
Dänemark: Buchmesse BogForum feiert Geburtstag
Wenn vom 11. bis 13. November die Buchmesse BogForum in Kopenhagen stattfindet, mischt sich Wehmut mit Freude. Die Leistungsschau der dänischen Buchbranche feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag, doch zum letzten Mal wird ins Forum Copenhagen mitten im Herzen der dänischen Metropole eingeladen.
Weil es aus allen Nähten platzt, zieht das größte Bücherfest Dänemarks im kommenden Jahr in das Kongresszentrum Bella Center im Stadtteil Ørestad um. Der neue Standort wurde zwar in Abstimmung mit dem Verlegerverband ausgewählt, ist bestens an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und bietet reichlich Parkplätze, doch die Aussteller sorgen sich wegen seiner abseitigen Lage um die Akzeptanz beim Publikum. Deswegen soll bei der Jubiläumsveranstaltung kräftig die Werbetrommel gerührt werden.
BogForum feierte 1992 seine Premiere mit 40 Verlagen und 8000 Besuchern. Im Vorjahr zeigten 170 Aussteller ihre Produkte, an allen drei Messetagen kamen 26 654 Besucher. 2011 rechnen die Veranstalter mit einem neuen Rekordergebnis. Am Programm der Publikumsmesse wird noch gearbeitet, aber wie jedes Jahr wird ein Großaufgebot skandinavischer und internationaler Autoren erwartet. Zu den Höhepunkten der Veranstaltung gehört alljährlich die Verleihung des Danske Bank Litteraturpris.
Dänemark ohne Preisbindung
Die dänische Buchbranche ist sich uneins, ob die Abschaffung auch der letzten Reste der Buchpreisbindung zum Jahreswechsel 2010/11 tatsächlich richtig war. Die erhoffte Energiespritze ist vorerst jedenfalls noch nicht in Sicht: Die Statistik des Branchenblatts „Bogmarkedet“ weist für das 1. Halbjahr sinkende Verlagsumsätze (–4,2%) und höhere Buchpreise (+1,8%) aus. Profitiert haben einzig die Supermärkte und Kioske, die um 6,5% zugelegt haben.
Mittlerweile wurden erste Stimmen laut, die sich für die Wiedereinführung zumindest einer abgespeckten Buchpreisbindung aussprechen. Angeblich wird in Verlagskreisen über feste Preise für gedruckte Bücher und E-Books für die ersten vier Wochen nach Erscheinen diskutiert.
Jussi Adler-Olsens Krimis gibt es nicht als E-Book
Jussi Adler-Olsen ist einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Kriminalschriftsteller Dänemarks. Seine Bücher werden in dem kleinen Land zu Hunderttausenden verkauft und kassieren literarische Auszeichnungen in Serie. Nur als E-Book sind die Erlebnisse des Teams vom Sonderdezernat Q nicht zu haben.
Der 60-Jährige hat seinem Verlag Politiken untersagt, elektronische Ausgaben seiner Thriller auf den Markt zu bringen, weil sie dem stationären Buchhandel das Wasser abgraben. In Online-Foren wird die Entscheidung als kommerziell naiv heftig kritisiert, doch das ficht den Dänen nicht an. Adler-Olsen, dessen Bücher in der deutschen Übersetzung bei dtv ähnlich erfolgreich wie die Originale sind, ist im Übrigen nicht allein: Bestsellerautor Leif Davidsen hat E-Books ebenfalls die rote Karte gezeigt.
Buchmarkt in Zahlen: Dänemark
- Umsatz 2010: 267 Mio Euro*/–0,2%
- Neuerscheinungen/Jahr: 10466
- Preisbindung: nein
- Mehrwertsteuer auf Bücher: 25%
- Allgem. Mehrwertsteuersatz: 25%
- Lizenzvergabe nach Dänemark: 257 Titel
- Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 3,1%
- Deutscher Buchexport nach Dänemark: 12,76 Mio E
- Zahl der Buchhandlungen: 419
- Wichtige Vertriebswege
– Buchhandel/Buchketten: 55%
– Supermärkte/Warenhäuser k.A.
– Direktverkauf/Buchklubs k.A.
– Internet k.A. - Buchmesse:
BogForum Kopenhagen
Termin: 11.–13.11.2011/9.–11.11.2012
Publikumsmesse
*Buchhandelsumsatz inkl. MwSt.
Norwegen: Norli Libris mischt den Buchhandel auf
Mit ihrem Schulterschluss haben die beiden Buchfilialisten Norli und Libris im norwegischen Buchmarkt für einen Paukenschlag gesorgt. Doch ganz nach Plan verlief die Fusion, deren finanzielle Einzelheiten unter Verschluss gehalten werden, nicht. Aufgeschreckt durch die Reaktionen innerhalb der Buchbranche haben die Kartellwächter den Deal intensiver unter die Lupe genommen, als sie es sonst vielleicht getan hätten.
Ende Oktober hatten die beiden Eigentümer Aschehoug (Norli) und NorgesGruppen (Libris) ihre Fusionspläne publik gemacht, doch erst im März gaben die Osloer Wettbewerbsbehörden ihre Zustimmung. Mit Auflagen: An Standorten mit zu großer Marktdominanz mussten vier Norli- und drei Libris-Buchhandlungen verkauft werden.
Mit einem addierten Umsatz von 232,1 Mio Euro kommt Norli Libris auf einen Marktanteil von ca. 33% und ist doppelt so groß wie Ark Bokhandel als zweitgrößtes norwegisches Buchhandelsunternehmen. In den 171 Filialen werden in erster Linie Bücher, aber auch PBS und Software verkauft.
Unter dem Dach der Holding Norli Libris AS, an der der Publikumsverlag Aschehoug mit 51% beteiligt ist, werden die Filialisten weiterhin unter ihrem eigenen Namen antreten. Auf dem Chefsessel hat Norli-Geschäftsführer Nils Sund Platz genommen. Er war vor zwei Jahren zu Norli gekommen, der 2010 seinen 120. Geburtstag gefeiert hat. Seither hat er den in die Jahre gekommenen Buchhändler von Grund auf saniert und in die schwarzen Zahlen zurückgeführt.
Preisbindung in Norwegen
Die Preisbindung in Norwegen ist seit Jahren durch eine Branchenvereinbarung geregelt. Doch das soll nach dem Willen der Politik anders werden: Das Kultusministerium will die bisherige Praxis durch eine gesetzliche Regelung ablösen. Sowohl in der Buchbranche selbst als auch in der norwegischen Öffentlichkeit zeichnet sich eine Mehrheit dafür ab.
Die von Kultusministerin Anniken Huitfeldt favorisierte „Fastpris“-Lösung sieht vor, dass Bücher in allen Erscheinungsformen preisgebunden sein sollen, also auch E-Books. Einzelheiten stehen noch nicht fest, allerdings plant Huitfeldt offensichtlich eine liberalere Handhabung der gebundenen Preise als bisher.
Auch der Zeitplan ist offen, voraussichtlich wird die neue Regelung jedoch frühestens ab 2014 greifen. Zunächst soll sich eine unabhängige Kommission mit dem Thema befassen und u.a. Erfahrungsberichte aus Preisbindungsländern wie Deutschland, Schweiz und Frankreich, aber auch im preisbindungsfreien Schweden einholen.
Buchmarkt in Zahlen: Norwegen
- Umsatz 2010: 756 Mio €/–0,3%
- Neuerscheinungen/Jahr: ca. 5500
- Preisbindung: ja
- Mehrwertsteuer auf Bücher: 0%
- Allgem. Mehrwertsteuersatz: 25%
- Lizenzvergabe nach Norwegen: 78 Titel
- Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 1,0%
- Deutscher Buchexport nach Norwegen: 8,47 Mio €
- Zahl der Buchhandlungen: 654
- Wichtige Vertriebswege
– Buchhandel/Buchketten: 58%
– Direktverkauf: 30%
– Buchklubs: 9,5%
– Internet: k.A. - Buchmesse:
Oslo Bokfestival
Termin: 16.–18.9.2011
Publikumsmesse
Schweden: Volles Haus bei Bok & Bibliotek
„Drei Länder – eine Sprache“ war die Headline, unter der sich Deutschland, Österreich und die Schweiz bei der schwedischen Buchmesse Bok & Bibliotek in Göteborg als Ehrengast präsentierten. Die Gäste hatten groß aufgefahren: 30 Autoren von Herta Müller bis Cornelia Funke waren angereist, die Frankfurter Buchmesse hatte für den Anlass eigens einen neuen, 170 qm großen Stand mit länderübergreifendem Design für die 62 teilnehmenden Verlage konzipiert.
Die Stimmung war nicht nur bei der deutschsprachigen Delegation bestens, auch die Messeleitung zeigte sich hoch zufrieden mit der 27. Auflage des Events: 924 Aussteller aus 22 Ländern hatten eine Rekordfläche von 14100 qm gebucht; auch das Agentencenter meldete eine Rekordteilnahme.
Schwedens Buchfilialist Bokia stellt sich im Verbund neu auf
Bokia hat einige turbulente Jahre hinter sich, doch mit Geschäftsführer Peter Orrgren bewegt sich das zweitgrößte schwedische Buchhandelsunternehmen wieder in ruhigerem Fahrwasser. In weniger als einem Jahr hat der von Filofax gekommene neue Mann auf dem Chefsessel viel bewegt: Allen voran die im Juni angekündigte strategische Zusammenarbeit mit dem kleineren Mitbewerber Ugglan.
Anders als die Norweger Norli und Libris ist der Schulterschluss zwischen dem schwedischen Duo (vorerst?) als loser Verbund angedacht. Die beiden Filialisten haben Ordergeschäft und Auslieferung zusammengelegt, arbeiten in ihren Webshops eng zusammen und planen eine gemeinsame elektronische Kundenkarte. Auch E-Books sollen demnächst online angeboten werden. Pläne für einen eigenen E-Reader hat Bokia allerdings vorerst auf Eis gelegt.
Doch ansonsten machen beide Unternehmen weiterhin strikt getrennte Kasse und bleiben vor allem rechtlich unabhängig. Der Vorteil liegt für Orrgren und Ugglans Geschäftsführer Anders Billing in der numerischen Addition: Mit 130 Filialen (Bokia 72 und Ugglan 53) haben die beiden Ketten eine deutlich bessere Ausgangsposition, um bei den Verlagen höhere Rabatte auszuhandeln.
Für Seniorpartner Bokia ist die Kooperation mit Ugglan ein weiterer Schritt in eine neue buchhändlerische Zukunft. Der Filialist hat in den letzten zwei Jahren das Genossenschaftsmodell eingemottet und durch eine Aktiengesellschaft nach schwedischem Recht abgelöst, die nicht an der Börse notiert ist.
Der schwedische Buchmarkt hat Ladehemmung
Es ist noch nicht lange her, da herrschte im schwedischen Buchmarkt eitel Sonnenschein. Zehn Jahre lang gingen die Umsatzzahlen mit schöner Regelmäßigkeit nach oben, doch seit 2008 hat sich das Blatt gewendet. Seinerzeit brachte die Endabrechnung ein Minus von 8%, im Jahr darauf waren es –3% und 2010 –2%.
Und im laufenden Jahr? Wenn der Verlegerverband richtig gerechnet hat, lagen die ersten vier Monate um alarmierende 12% hinter dem vergleichbaren Zeitraum 2010 zurück. Die Hoffnungen ruhen auf einem starken Herbst, in dem die schwedischen Verlage alles aufbieten, was die heimische Autorenszene zu bieten hat: Neue Bücher u.a. von Henning Mankell, Liza Marklund, Camilla Läckberg, Hakan Nesser und Jan Guillou sollen die Kassen klingeln lassen.
Zahlen über den E-Book-Markt gibt es noch nicht, doch die Nachfrage ist da. Zumal das Parlament kürzlich beschlossen hat, den für Bücher geltenden Mehrwertsteuersatz von 6% auch auf das E-Book auszuweiten.
Buchmarkt in Zahlen: Schweden
- Umsatz 2010: 780 Mio €*/–2,0%
- Neuerscheinungen/Jahr: 4074
- Preisbindung: nein
- Mehrwertsteuer auf Bücher: 6%
- Allgem. Mehrwertsteuersatz: 25%
- Lizenzvergabe nach Schweden: 97 Titel
- Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 1,2%
- Deutscher Buchexport nach Schweden: 17,91 Mio €
- Zahl der Buchhandlungen: ca. 400
- Wichtige Vertriebswege
– Buchhandel/Buchketten: 29%
– Supermärkte/Warenhäuser: 9%
– Direktverkauf/Buchklubs: 22%
– Internet: 22% - Buchmesse:
Bok & Bibliotek Göteborg
Termin: 27.–30.9.2012
Fachmesse, teilw. mit Publikum
* ohne MwSt.



