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Russland: Buchmarkt wächst unter Vorbehalt

Den russischen Buchmarkt nach westlicher Prägung gibt es gerade einmal zwei Jahrzehnte – die ersten Privatverlage wurden 1988 gegründet, die führende Buchkette Top-Kniga sogar erst 1995 – aber angesichts der Größe und der daraus resultierenden Probleme des Landes ist er vergleichsweise gut entwickelt. Mit Umsatzzahlen allerdings tun sich die Russen schwer, es wird (noch) sehr viel geschätzt. Für 2008 liegt diese Schätzung bei umgerechnet etwa 2,08 Mrd Euro.

Die langen Wege gehören zu den großen Schwächen des Marktes, dessen umumstrittenes Zentrum nun einmal Moskau ist. Das Buchvertriebsnetz ist nicht nur schlecht ausgebaut, sondern auch teuer. Die Versandkosten sind hoch, was dazu führt, dass Bücher, wenn sie endlich in der Provinz ankommen, mit saftigen Aufschlägen zwischen 200% und 300% im Vergleich zur Hauptstadt verkauft werden.

Dass dennoch mit Top-Kniga der größte Buchhändler Russlands ausgerechnet im fernen Sibirien seinen Sitz hat, hängt ursächlich mit dieser Problematik zusammen. Der Physiker und Büchernarr Georgij Lyamin hat die Kette zusammen mit Kollegen gegründet, weil er es leid war, Bücher per Rucksack aus Moskau mitzubringen. Heute hat Top-Kniga 547 Verkaufsstellen, beschäftigt 6110 Mitarbeiter und setzt umgerechnet 297,5 Mio Euro um.

Mittlerweile hat jedoch in Russland nach dem anfänglichen zügellosen Wachstum im Gefolge der Weltwirtschaftskrise eine Phase der Konsolidierung eingesetzt. Parallel zum Tritt auf die Titelbremse wird auch im Buchhandel zunehmend gespart.


Buchmessen: Friedliche Koexistenz

In einem Land von der Größe Russlands können mehrere Buchmessen mit internationalem Anspruch friedlich nebeneinander funktionieren. Moskau und die noch vergleichsweise junge Buchmesse in St. Petersburg machen es vor.
Seit vier Jahren findet im April der St. Petersburger Buchsalon statt, der u.a. von der Russischen Buchunion und der Stadtverwaltung organisiert wird und vor allem für die baltischen Länder ein Fixtermin ist.

Die unumstrittene Nr. 1 jedoch ist die Moskauer Internationale Buchmesse. An sechs Tagen nahmen im September 2500 Aussteller aus 82 Ländern teil. Bei beiden russischen Publikumsmessen ist die Frankfurter Buchmesse mit einem Gemeinschaftsstand dabei.

 

Buchmarkt in Zahlen: Russland

Umsatz 2008    2,08 Mrd €

Neuerscheinungen/Jahr 2008         123 336

Durchschnittlicher Buchpreis 2008      k.A.

Preisbindung     nein

Mehrwertsteuer für Bücher    10%

Lizenzvergabe n. Russland 2008    452 Titel
Anteil am dt. Lizenzgeschäft    6%
Deutscher Buchexport        nach Russland 2008    25 Mio €

Zahl der Verlage 2008    5702

Zahl der Buchhandlungen 2008    ca. 6000

Vertrieb/Vertriebswege
– Buchhandel/Buchketten    60%    
– Direktverkauf    10%
– Internet    6%    – Buchklubs    2%
– Verschiedene    22%

Buchmesse:
11. Internationale Moskauer Buchmesse
Termin: September 2010
Publikumsmesse
St. Petersburg Buchsalon
Termin: 22.–25.4.2010        Publikumsmesse

Quelle: buchreport/Frankfurter Buchmesse/„Buch und Buchhandel in Zahlen“



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