(Anzeige)

(Anzeige)

Russland: Piraten und Pleiten

Der russische Buchmarkt bleibt im Dauertief

1 Buchkonjunktur: Die Lage auf dem russischen Buchmarkt bleibt angespannt, zumal nach dem Kollaps des Großfilialisten Top-Kniga mit seinen rund 400 Filialen ein wichtiger Absatzkanal außerhalb der Zentren Moskau und St. Petersburg wegfällt. Mit Umsatzzahlen für das Riesenland tun sich die Russen nach wie vor schwer: Die Föderale Agentur für Presse und Medien schätzt ihn 2011 auf rund 62 Mrd Rubel (ca. 2,6 Mrd Euro). Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von 4%.

2 Konzentrationsprozess: Mit dem Schulterschluss der beiden führenden Buchverlage AST und Eksmo im Juni hat der Konzentrationsprozess im russischen Buchmarkt seinen (vorläufigen) Höhepunkt erreicht. Die Verbindung schafft auf dem Papier ein Unternehmen mit einem kumulierten Umsatz von über 400 Mio Euro und einem Marktanteil von rund 30%. Auch als Buchhändler sind die neuen Partner aktiv: Zu AST gehört Bukva, Eksmo betreibt den Filialisten Bukvoed.

3 Digitalisierung:  Online-Piraterie ist in Russland an der Tagesordnung, was den Aufbau eines effizienten digitalen Marktes stark behindert.  Etwa 80% aller Downloads werden illegal getätigt. Entsprechend steckt das elektronische Geschäft mit einem Umsatzanteil von unter 1% noch in den Kinderschuhen und wächst nur langsam. Eksmo-Verleger Oleg Novikov rechnet bis 2015 mit einem Marktanteil von maximal 5%. LitRes und Imobilco sind die wichtigsten Anbieter von E-Content.

Die weiteren Aussichten: Ohne Top-Kniga rechnen die meisten Verlage auch 2012 nicht mit einer deutlichen Verbesserung der Buchkonjunktur.

Bestseller: Starke Nachfrage nach internationaler Literatur

Internationale Erfolgsautoren und eine breite Phalanx russischer Schriftsteller teilen sich die Bestsellerlisten in friedlicher Koexistenz. Aber auch Klassiker sind immer wieder stark gefragt: 2011 war Alexandre Dumas mit 1,3 Mio verkauften Büchern der erfolgreichste Nicht-Russe.

Im aktuellen Ranking belegen E.L. James und Haruki Murakami die Plätze 1 und 2. Als bester Russe liegt Sergej Lukjanenko auf Rang 3. Der gebürtige Kasache ist der populärste und erfolgreichste russische Fantasy- und Science-Fiction-Autor (in der deutschen Übersetzung bei Heyne).

Buchmarkt in Zahlen: Russland

  • Umsatz: 2,6 Mrd €/–4%
  • Neuerscheinungen: 122 915
  • Preisbindung: nein
  • Mehrwertsteuer (Bücher/Allgem.): 10%/18%
  • Lizenzvergabe nach Russland: 644 Titel
  • Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 8,1%
  • Deutscher Buchexport nach Russland: 12,67 Mio €
  • Zahl der Buchhandlungen: ca. 3000
  • Wichtige Vertriebswege
    – Buchhandel: 52%    
    – Buchketten: 14%  
    – Internet: 7%
  • Buchmesse:
    Internationale Moskauer Buchmesse
    Termin: September 2013, Publikumsmesse
    St. Petersburger Buchsalon
    Termin: 25.–28.4.2013, Publikumsmesse

Quelle: buchreport/Destatis/„Buch und Buchhandel in Zahlen“/Föderale Agentur für Presse und Medien/Russische Buchkammer/BIZ Moskau



    ImpressumSitemapAGB © 2012