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Niederlande: Buchhandel klagt über Umsatzeinbußen

Die Stimmung im niederländischen Buchmarkt ist schlecht, auch wenn Ari Doeser, der wortgewaltige Chef des Buchhändlerverbandes Koninklijke Boekverkopersbond (KBb), in einem flammenden Appell an die Branche kürzlich ganz anderer Meinung war. Doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 619,5 Mio Euro hat der Buchhandel im Nachbarland im vergangenen Jahr umgesetzt, das ist ein Minus von 3,5%.

Und die Branchenkonjunktur zeigt 2011 keinerlei Anzeichen einer Belebung, im Gegenteil: Bis einschließlich August lagen die Buchumsätze um 3,5% hinter dem Vorjahr zurück, meldet die Fachzeitschrift “Boekblad” unter Berufung auf GfK-Messungen. In den Sommerwochen hing der Handel einschließlich Online-Shops sogar um bis zu 10% hinterher.

Was den niederländischen Buchhändlern und Verlagen besonders auf den Magen schlägt, ist die Tatsache, dass selbst ansonsten verlässlich Umsatz generierende Marketingaktionen wie die „Boekenweek“ in der Öffentlichkeit an Anziehungskraft verloren haben. 2011 wurden 8,5% weniger Bücher während der zweiwöchigen  Kampagne verkauft als im letzten Jahr. Weil auch der Durchschnittsbon von 14,17 Euro auf 13,90 Euro sank, waren insgesamt 10,2% weniger in der Kasse anstatt der sonst üblichen zweistelligen Umsatzzuwächse.

Bei Selexyz ist Sand im Getriebe

Mit Selexyz steckt einer der größten niederländischen Buchfilialisten in finanziellen Schwierigkeiten. Seit Monaten wird heftig über die Zukunft des Unternehmens spekuliert, zu dem Kultbuchhandlungen wie Selexyz Donner in Rotterdam und Selexyz Scheltema in Amsterdam gehören. Im Mai wurden wegen rückläufiger Umsätze 10% der insgesamt 450 Mitarbeiter entlassen, Anfang Juni hatte die Buchauslieferung Centraal Boekhuis für einige Tage wegen offener Rechnungen die Belieferung der 16 Buchhandlungen eingestellt.

Der vorläufige Höhepunkt der Selexyz-Krise manifestierte sich Mitte September mit dem „vorläufigen“ Rücktritt von CEO Matthijs van der Lely und Finanzchef Menno van den Brand aus der Geschäftsführung, weil deren Restrukturierungspläne der Hausbank ABN Amro offenbar nicht weit genug gegangen waren. Van der Lely und van den Brand, die mit jeweils 33 bzw. 26,5% an Selexyz beteiligt sind, wurden durch Krisenmanager ersetzt.

Bis Anfang 2010 war Selexyz Teil der Boekhandels Groep Nederlands (BGN), die nach dem überraschenden Ausstieg von Mehrheitseigner NPM Anfang 2010 zerschlagen worden ist. Mit Unterstützung des Einzelhandelskonzerns Audax hatte van der Lely Selexyz im Rahmen eines Management-Buy-outs für eine ungenannte Summe ausgekauft.

 

Buchmarkt in Zahlen: Niederlande

  • Umsatz 2010: 619,5 Mio €/–3,5%*
  • Neuerscheinungen/Jahr: 23 361
  • Preisbindung: ja
  • Mehrwertsteuer auf Bücher: 6%
  • Allgem. Mehrwertsteuersatz: 19%
  • Lizenzvergabe in die Niederlande: 365 Titel
  • Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 4,5%
  • Deutscher Buchexport in die Niederlande: 47,88 Mio €
  • Zahl der Buchhandlungen: 1502

*Nur Buchhandel 

Quelle: buchreport/Destatis/„Buch und Buchhandel in Zahlen“/Koninklijke Boekverkopersbond (KBb)



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