Neuseeland: Von der TV-Küche zum Rugby
Gastland-Auftritt Neuseeland – ein florierender Buchmarkt mit Ecken und Kanten
Knapp 20000 km von Deutschland entfernt liegt Neuseeland. Der Inselstaat im südlichen Pazifik und seine 4,4 Mio Einwohner mögen geografisch isoliert sein, aber Bücher werden dort auch verkauft. Statistische Daten sind schwer zu bekommen, doch Kevin Chapman, Präsident der Publishers Association of New Zealand (PANZ), schätzt, dass im Vorjahr 350 Mio. neuseeländische Dollar (ca. 224 Mio Euro) mit Büchern umgesetzt wurden, etwa so viel wie 2010.
Wer sich in der neuseeländischen Buchlandschaft umschaut, fühlt sich unweigerlich an Großbritannien und die USA erinnert: Keine Preisbindung, identische Autorennamen auf den Buchumschlägen. Hier wie dort beherrschen die gleichen internationalen Verlagsgruppen die Szene, nur mit dem Anhängsel „NZ“: Hachette, HarperCollins, Random House, Penguin Books. In der aktuellen Bestsellerliste fällt lediglich ein Name aus der Reihe: Annabel Langbein. Dahinter steht Neuseelands populärste Köchin, die ihre Bücher im eigenen Verlag herausbringt und zu den wenigen Autoren gehört, die für sechsstellige Verkaufszahlen gut ist.
75% des Buchverkaufs läuft über Buchfilialisten, 13% gehen auf das Konto unabhängiger Sortimenter, 5% fließen (mit steigender Tendenz) über das Internet ab. Dass Online-Händler wie Amazon die Mehrwertsteuer von 15% nicht erheben müssen, verärgert Buchhändler und Verleger gleichermaßen. Chapman, im Hauptberuf Geschäftsführer von Hachette NZ: „Das ist eine eklatante Ungleichbehandlung des stationären Handels; wir führen deshalb Gespräche mit der Regierung, aber bislang ergebnislos.“
Die beiden größten Buchketten sind Whitcoulls (Marktanteil: ca. 30%) und PaperPlus (25%). Whitcoulls ist mittlerweile innerhalb der Branche zum Reizwort geworden, denn seit die Familie Norman die Kette vor anderthalb Jahren vor dem Konkurs gerettet hat, herrscht Funkstille in der Kommunikation nach außen. Der Informationsstopp geht so weit, dass nicht einmal mehr Daten an Nielsen BookScan zur Ermittlung der Bestsellerlisten geliefert werden – „Branchen-Vandalismus“ , schimpft Chapman.
Nachdem 2012 zunächst hinter dem Vorjahr zurückhing, ist Chapman zuversichtlich, dass diesmal am Jahresende doch noch ein Plus vor dem Komma stehen wird. „Wir gehen mit einem selten starken Herbstprogramm zuversichtlich ins Weihnachtsgeschäft.“
Sein eigener Verlag ist daran aktiv beteiligt: J.K. Rowlings Roman „The Casual Vacancy“ gilt als sicherer Bestseller. Noch viel erfolgreicher aber dürfte ein Sachbuch werden, wie es nur Neuseeland hervorbringen kann: „The Real McCaw“ sind die Erinnerungen von Rugby-Nationalspieler Richie McCaw, eine lebende Legende in einem Land, in dem Rugby Volkssport Nr. 1 ist.
Brücken schlagen – die „Kiwis“ kommen
Viel Zeit hatten die Neuseeländer nicht, um ihren Gastland-Auftritt unter dem Slogan „While you were sleeping – Bevor es bei euch hell wird“ vorzubereiten. Die Verträge wurden erst im Sommer 2011 unterzeichnet, doch damit hatten weder Kevin Chapman, der Präsident der Publishers Association of New Zealand (PANZ), noch Projektleiterin Tanea Heke ein Problem.
Über 300 „Kiwis“, wie die Neuseeländer auch genannt werden, werden erwartet: Verleger, Künstler und rund 70 Schriftsteller, von denen etliche auch in Deutschland einen Namen haben. Angeführt wird das Kontingent von Rowohlt-Autor Lloyd Jones, dessen „Mister Pip“ 2007 auf der Man-Booker-Shortlist stand und in über 30 Sprachen übersetzt wurde. Ebenfalls einfliegen werden u.a. Paul Cleave (Heyne), Brian Falkner (dtv) und Anthony McCarten (Diogenes), dessen Roman „Superhero“ gerade mit dem Titel „Am Ende eines viel zu kurzen Tages“ in die Kinos gekommen ist.Am Gemeinschaftsstand des Verlegerverbandes, mit dem die „Kiwis“ seit Jahren in Frankfurt antreten, wird es diesmal eng. Wo normalerweise 15 Verlage viel Platz haben, werden 36 Unternehmen ihre Buchproduktion Seite für Seite aufblättern.
Eine ganz wichtige Rolle spielen die Bildungsverlage im Gastland-Auftritt. Das hochmoderne Bildungssystem des Inselstaates mit seinen innovativen Unterrichtsformen und Lehrplänen gilt weltweit als beispielhaft. Es wird deshalb in einem separaten Schwerpunkt unter Federführung der Initiative „New Zealand Education Experience“ vorgestellt.
Buchmarkt in Zahlen: Neuseeland
- Umsatz: 224 Mio €/±0%*
- Neuerscheinungen/Jahr: ca. 2000
- Preisbindung: nein
- Mehrwertsteuer auf Bücher: 15%
- Allgem. Mehrwertsteuersatz: 15%
- Lizenzvergabe nach Frankreich: 13 Titel
– Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 0,2% - Deutscher Buchexport nach Frankreich: 242 000 €
- Zahl der Buchhandlungen: ca. 300
– Buchketten 75%
– Buchhandel 13%
– Internet 5%
* Buchhandelsumsatz ohne Mehrwertsteuer
Quelle: buchreport/Destatis/„Buch und Buchhandel in Zahlen“/ Publishers Association of New Zealand (PANZ)



