Japan: Vorfahrt für E-Books
Japans Buchmarkt sucht nach neuen Wegen
1 Buchkonjunktur: Wenn es um die Veröffentlichung statistischer Daten geht, tun sich die japanischen Branchenverbände traditionell schwer. Für 2011 liegen immer noch keine offiziellen Zahlen vor, doch fest steht, dass sich im Katastrophenjahr mit dem atomaren Super-GAU die existenziellen Probleme, mit denen Verlage und Buchhandlungen schon seit fast zwei Jahrzehnten zu kämpfen haben, noch einmal dramatisch zugespitzt haben. Viele Brancheninsider sprechen von zweistelligen Einbrüchen.
2 Digitalisierung: Japan ist ein technikaffines Land, in dem Romane und Mangas schon lange wie selbstverständlich auf dem Handy gelesen werden. Doch mit E-Books und den entsprechenden Lesegeräten hat sich die Buchbranche bislang schwergetan. Das ändert sich gerade: Nachdem Rakuten mit den Kobo-Readern erfolgreich flächig eingestiegen ist, steht auch Amazon mit dem Kindle in den Startlöchern. Bis 2015 rechnet Yano Research mit einem E-Umsatz von umgerechnet ca. 1,5 Mrd Euro.
3 Buchhandel: Auch im Buchhandel dreht sich alles um das digitale Geschäft. Marktführer Kinokuniya hat den Vorreiter gespielt und bereits Ende 2010 den Online-Shop BookWebPlus eröffnet, zu dem jetzt auch ein eigenes E-Book-Portal gehört. Im Juli wurde angekündigt, dass in allen Filialen durchgehend WLAN installiert wird. Mit „Kinoppy“ bietet der Filialist eine App an, die Kauf, Speicherung und Lesen von E-Books auf dem gesamten Endgeräteangebot ermöglicht.
Die weiteren Aussichten: Nachdem die japanischen Verlage sich lange gesträubt haben, steht das E-Book-Geschäft vor dem Durchbruch.
Bestseller: Für internationale Autoren ist Japan kein guter Markt
In Japan ist vieles anders, auch die Tatsache, dass Übersetzungen selbst international bewährter Bestsellerautoren im Land der aufgehenden Sonne auch nicht annähernd die Rolle spielen wie in anderen Buchmärkten rund um den Globus. Das fängt damit an, dass Schriftsteller, die nicht aus Japan stammen, in den meisten Buchhandlungen außerhalb der Großstädte wenig beworben werden. Und hört mit der Begeisterung der Japaner für ihre bunten Mangas noch lange nicht auf. Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass der japanische Buchmarkt seit Jahren wirtschaftlich den Rückwärtseingang eingelegt hat. Als Faustregel gilt, dass Übersetzungen lediglich rund 8% des Jahresumsatzes der Verlage ausmachen – Ausnahmen wie die Harry-
Potter-Romane von J.K. Rowling oder das Verkaufsphänomen von 2012, „Shades of Grey“ von E.L. James, bestätigen die Regel.
Was japanische Schriftsteller angeht, dominiert Haruki Murakami nicht nur in seiner Heimat mit jedem neuen Roman die Bestsellerlisten, sondern steht auch auf der literarischen Exportliste an erster Stelle. Vor allem die jüngere Generation liebt den 63-Jährigen und lassen die Verkaufszahlen seiner Bücher oft genug in siebenstellige Höhen schnellen.
Buchmarkt in Zahlen: Japan
- Umsatz: ca. 15,5 Mrd €*
- Neuerscheinungen/Jahr: 75 810
- Preisbindung: ja
- Mehrwertsteuer (Bücher/Allgem.): 0%/5%
- Lizenzvergabe nach Japan: 120 Titel
- Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 1,5%
- Deutscher Buchexport nach Japan: 14,95 Mio €
- Zahl der Buchhandlungen: ca. 5 000
- Wichtige Vertriebswege
– Buchhandel/Buchketten: ca. 46%
– Internet: ca. 17% - Buchmesse:
Internationale Buchmesse Tokio
Termin: 4.–7.7.2013, Fachmesse
* Bücher und Zeitschriften
Quelle: buchreport/Destatis/„Buch und Buchhandel in Zahlen“/Verlegerverband



