Japan: Schwieriger Neuanfang
Obwohl er der zweitgrößte Buchmarkt der Welt ist, lässt sich der japanische Buchmarkt nur schwer in Zahlen festschreiben. Das war schon immer so und nach der Katastrophe vom 11. März ist die statistische Datenermittlung nicht leichter geworden. Fest steht, dass Tsunami, Erdbeben und atomarer Super-Gau die existenziellen Probleme, mit denen Verlage und Buchhandlungen schon seit Jahren zu kämpfen haben, noch einmal dramatisch zugespitzt haben.
Mittlerweile sind die überwiegend in Tokio ansässigen Verlagshäuser weitgehend wieder zur Tagesordnung übergegangen.
Auch die Manga-Verlage haben das großzügige Angebot längst wieder einkassiert, das ihnen nach dem Desaster so viele positive Schlagzeilen (aber keine Einnahmen) beschert hatte: Als Reaktion auf den weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens in vielen Regionen hatten Unternehmen wie Shueisha, Kodansha und Shogagukan mehrere Wochen lang die Inhalte ihrer erfolgreichsten Manga-Titel kostenlos ins Internet gestellt und teilweise auch direkt aufs Handy geliefert.
Die japanischen Konsumenten haben inzwischen auch wieder begonnen, Bücher zu kaufen. Verlässliche Zahlen über den bisherigen Jahresverlauf sind Mangelware, doch Marktbeobachter schätzen, dass 2011 in der Endabrechnung zweistellig hinter dem ebenfalls schwachen Vorjahr zurückliegen wird.
Das Thema, das derzeit auch die japanische Buchbranche mehr als alles andere umtreibt, sind E-Books und digitale Inhalte. Doch ausgerechnet in dem Land, in dem Bücher schon seit einigen Jahren mit beispielloser Selbstverständlichkeit auf dem Handy gelesen werden, tun sich die Verlage mit E-Books für Lesegeräte schwer. Auch der Buchhandel glänzt nicht gerade als Vorreiter: Marktführer Kinokuniya hat seinen Online-Shop samt E-Bookstore erst im November letzten Jahres gestartet.
Das Problem ist nicht etwa ein Mangel an geeigneten Lesegeräten oder den dazu gehörenden Inhalten, sondern eher das Gegenteil: Es gibt reichlich E-Reader und immer mehr Verlage haben einen eigenen E-Bookstore. Doch die Nutzer sind zunehmend verärgert, weil jeder mit anderer Software und Formaten arbeitet. Nicht ganz überraschend hat sich deshalb innerhalb kürzester Zeit ein prosperierender Sub-Markt in einer rechtlichen Grauzone gebildet: Professionelle Buchscanner erstellen für einen Bruchteil des Ladenpreises digitale Buchausgaben auf der Basis der gedruckten Vorlage. Führende Buchverlage wollen jetzt prüfen lassen, inwieweit diese „Dienstleister“ gegen Copyright-Richtlinien verstoßen.
Buchmarkt in Zahlen: Japan
- Umsatz 2010: ca. 15,5 Mrd €*
- Neuerscheinungen/Jahr: 78 555
- Preisbindung: nein
- Mehrwertsteuer auf Bücher: 0%
- Allg. Mehrwertsteuersatz: 5%
- Lizenzvergabe nach Japan: 112 Titel
- Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 1,8%
- Deutscher Buchexport nach Japan: 12,43 Mio €
- Zahl der Buchhandlungen: ca. 5 500
- Wichtige Vertriebswege
– Buchhandel/Buchketten: ca. 48%
– Supermärkte/Warenhäuser: k.A.
– Direktverkauf/Buchklubs: k.A.
– Internet: ca. 12% - Buchmesse:
Tokyo International Book Fair (TIBF)
Termin: 5.-8-7.2012
Fachmesse
* Bücher und Zeitschriften



