Frankreich: Hilfe vom Staat
Frankreichs Buchwelt kämpft mit Umsatzeinbußen
1 Buchkonjunktur: Auch die französischen Buchhändler bleiben nicht von schmerzhaften Umsatzeinbußen verschont. Bis Ende Juli lagen die Umsätze mit Büchern um 2% unter dem Vorjahreswert, mengenmäßig fällt das Minus mit 4% noch deutlicher aus. Allein der Online-Handel weist ein Wachstum auf: Die französischen Buchverkäufe übers Internet konnten um 6% zulegen.
2 Verlage: Die italienische RCS Mediagroup hat die Flammarion
Groupe an Madrigall, die Mutter von Gallimard, verkauft. Durch den Schulterschluss entsteht in Frankreich eine Verlagsgruppe mit einem Umsatz von rund 500 Mio Euro, die sich auf der Liste der größten Verlage auf den 3. Rang vorschiebt; es führen Hachette und Editis.
3 Digitalisierung: Frankreich gehört zu den wenigen Ländern, in denen der amerikanische Online-Riese Amazon zwar mit einem E-Book-Shop präsent ist, aber noch nicht die Marktführung übernommen hat: Der Medienhändler Fnac hat die Nase vorn. Eine Allianz aus Telekommunikationsunternehmen, Verlagen (u.a. Gallimard) und Buchhändlern (u.a. Fnac) will nun mit einer gemeinsamen Plattform Amazon auch künftig auf Distanz halten. Die Regierung unterstützt das Projekt finanziell. Überhaupt zeigt sich der Staat sehr um die Buchläden besorgt: Kulturministerin Aurélie Filippetti will den unabhängigen Buchhandel stärken. Ein heftiges Hindernis hat sie schon ausgemacht, und das ist Amazon.
Die weiteren Aussichten: Frankreich ist keine Insel der Seligen, aber das Engagement der Politik für die Buchbranche hat es einigen Ländern voraus.
Neuer Präsident – die Buch-Mehrwertsteuer sinkt wieder
Groß war die Entrüstung Ende vergangenen Jahres unter den französischen Buchhändlern, als der damalige Staatspräsident Nicolas Sarkozy (UMP) sich daran machte, eine Mehrwertsteuererhöhung für Bücher durchzudrücken. Viele kündigten einen „Etiketten-Streik“ an, wollten sich schlichtweg weigern, nach Erhöhung der Mehrwertsteuer ihre Preise anzupassen.
Doch aller Protest, alles Wehklagen half nichts: Seit April gilt für Bücher statt des alten ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 5,5% der neue in Höhe von 7%. Gegenüber dem regulären Satz von 19,6% ist das zwar immer noch wenig, doch den französischen Buchhändlern tut jede Erhöhung – gerade in Zeiten der Digitalisierung – weh.
Glück für den Buchhandel: 2012 war Wahljahr in Frankreich. Im Kampf um das Präsidentenamt versprach François Hollande, der Kandidat der Parti socialiste, den alten reduzierten Steuersatz wiedereinzuführen, sollte er in den Élysée-Palast einziehen. „Kultur sollte eine politische Priorität haben“, verkündete Hollande.
Und tatsächlich: François Hollande kickte Sarkozy im Mai aus dem Amt und hielt Wort. In den Monaten nach der Wahl haben beide Kammern des französischen Parlaments die Wiederabsenkung der Mehrwertsteuer für Bücher beschlossen. So sinkt der Satz zum kommenden Januar also von den 7%, denen ein kurzes Leben beschoren war, auf die bekannten 5,5%.
Bestseller: Französisch-amerikanische Erfolgsmischung
Überhaupt keine erotischen Grauschattierungen in der französischen Top Five, aber eine bunte Mischung von französischsprachigen Autoren und US-amerikanischen Roman-Importen:
- Branchenführer ist der Thriller „Kaïken“ von Jean-Christophe Grangé. Grangé hatte seinen Durchbruch als Romancier vor 14 Jahren mit „Die purpurnen Flüsse“ („Les Rivières Pourpres“). Der „Meister des französischen Thrillers“ kann mit „Kaïken“ seine Japan-Begeisterung ausleben, hat doch sein Held in der Samurai-Mythologie Hilfe im Kampf gegen das Böse gefunden.
- Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Romane „Barbe Bleue“ der in Japan geborenen Belgierin Amélie Nothomb und „Les Lisières“von Olivier Adam, worin der Protagonist seine besten Momente in ... Japan erlebt hat.
- Die Liste komplett machen die US-Autoren Toni Morrison und Harlan Coben mit den Übersetzungen von „Home“ und „Shelter“.
Buchmarkt in Zahlen: Frankreich
- Umsatz: 2,7 Mrd €
- Neuerscheinungen/Jahr: 63347
- Preisbindung: ja (5% Spielraum)
- Mehrwertsteuer (Bücher/Allg.): 7%/19,6%
- Lizenzvergabe nach Frankreich: 353 Titel
– Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 4,4% - Deutscher Buchexport nach Frankreich: 83 Mio €
- Zahl der Buchhandlungen: 2000-2500
– Insgesamt aber 15000 Verkaufsstellen
– Buchhandlungen verkaufe rund 40% der Bücher
Quelle: Frankfurter Buchmesse/„Buch und Buchhandel in Zahlen 2012“



