China: Vorfahrt für Bildung
Der Umbau der chinesischen Staatsverlage in eigenständige Wirtschaftsunternehmen mit dem Ziel, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, ist (mit wenigen Ausnahmen) abgeschlossen. Die Verlage erhalten keine staatlichen Subventionen mehr und müssen sich am Markt orientieren.
Gute Aussichten haben vor allem die Bildungsverlage, denn in diesem Jahr hat die chinesische Regierung eine wichtige Bildungsreform verabschiedet, die über die nächsten zehn Jahre greifen soll. Dass der Staat Vorschulbildung und die berufliche Bildung unterstützen will, ist ein wichtiges Signal für den Markt.
Von besonderer Bedeutung für die Verlage ist die erklärte Absicht, nicht nur die Ballungszentren, sondern auch die ländliche Bevölkerung in den Provinzen in das Bildungsprogramm einzubeziehen. Davon dürfte letztendlich auch das Lizenzgeschäft im Bereich Vorschulbildung und berufliche Bildung profitieren.
Besonders Chinas größter Bildungsverlag Higher Education Press sieht sich für die kommenden Aufgaben gut aufgestellt. Seit Dezember 2010 ist das 1954 in Peking gegründete Unternehmen Teil der neu gegründeten China Education Publishing & Media Group, kurz China Education genannt, die zu einem noch nicht benannten Zeitpunkt an die Börse gehen soll.
Lizenzgeschäft ist 2010 Spitze
Für deutsche Verlage ist China ein zunehmend wichtiger Markt, der allerdings vorwiegend über den Lizenzhandel bedient wird. Die Geschäfte laufen so gut wie noch nie. China spielt seit Jahren im Ranking der deutschen Lizenznehmer oben mit, war aber noch nie an der Spitze. Das hat sich 2010 geändert: Mit 789 Lizenzeinkäufen, das ist ein Plus von 60,7% und entspricht einem Markanteil von 12,6%, hat das Reich der Mitte Polen als Nummer-Eins-Partner abgelöst.
Ganz überraschend kommt das gute Abschneiden nach Chinas Gastlandauftritt bei der Frankfurter Buchmesse 2009 nicht: Von der Pekinger Buchmesse im September 2010 waren deutlich mehr Verlage als sonst mit unterzeichneten Lizenzverträgen zurückgekehrt. Doch so gut die Geschäfte aus deutscher Sicht auch waren, relativieren sich die Zahlen angesichts der über 7000 Bücher, die die Chinesen im vergangenen Jahr in den USA und Großbritannien eingekauft haben.
Buchmarkt in Zahlen: China
- Umsatz 2010: 6,26 Mrd €/+14,1%
- Neuerscheinungen: 189 000
- Preisbindung: nein
- Mehrwertsteuer für Bücher: 17%
- Allgem. Mehrwertsteuersatz: 17%
- Lizenzvergabe nach China: 789 Titel
- Anteil am dt. Lizenzgeschäft: 12,6%
- Deutscher Buchexport nach China: 8,43 Mio €
- Zahl der Buchhandlungen: ca. 160 000
- Buchmessen:
Beijing International Book Fair,
Termin: 29.8.–2.9.2012, Publikumsmesse
Quellen: China Statistical Data Collection of Press and Publication (GAPP) / die statistischen Angaben weichen zum Teil deutlich von früheren Veröffentlichungen ab



